Wasser-Brief 1/2003

Das Verbandswasserwerk Langenfeld-Monheim

Wasser-Brief 1/2003Der Mensch kann über längere Zeit ohne Nahrung existieren, ohne Wasser nur wenige Tage. Wasser ist daher so kostbar wie kein anderes Lebensmittel. Kostbar, aber nicht teuer! Für 1 Liter Trinkwasser aus der Leitung zahlen Sie 0,18 Cent. Aber gerade, weil wir es immer und fast überall erhalten, weil es unseren Geldbeutel nicht stark belastet, haben wir verlernt, das Wasser richtig zu schätzen.

Heute ist es für die Einwohner der von uns versorgten Städte Langenfeld und Monheim am Rhein eine Selbstverständlichkeit, durch einen kleinen Dreh am Hahn immer sauberes Trinkwasser zu erhalten. Das war nicht immer so. Schauen wir mal gut hundert Jahre zurück, als es in unserer Region noch kein Wasserwerk und keine Wasserleitungen gab. Unsere Urgroßväter mussten zu Brunnen oder Bächen und Teichen außerhalb des Hauses laufen, um das Wasser heranzuschaffen. Obwohl der Wissenschaft schon damals bekannt war, dass Keime im Wasser Krankheiten verursachen können, lagen Brunnen nicht selten neben den Aborten oder dem Misthaufen. Alle verheerenden Seuchen wie Cholera und Typhus wurden durch Verunreinigungen des Trinkwassers verursacht. Auch in einzelnen Ortslagen Langenfelds und Monheims wurden vom Gesundheitsamt Bakterien und Keime in den Brunnen gefunden, die vor allem zu Darminfektionen der Anwohner führten.

Wasser aus unserer Region

In den umliegenden Großstädten Köln und Düsseldorf gab es bereits Wasserwerke zur Versorgung der Bevölkerung. Ja sogar neun Jahre früher als die Gemeinde selbst nahm die Rheinische Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Galkhausen eine eigene Wasserversorgung in Betrieb! Die Überlegungen und Planungen zur Errichtung eines Gemeindewasserwerkes in Langenfeld setzten dann 1904 ein. In einem Gutachten über die Chancen eines "Industriestandortes" hieß es u.a.: "… und es ist zu hoffen, dass die Entwicklung noch lebendiger und stärker werden wird, wenn in den Gemeinden Einrichtungen bestehen, durch die die Gesundheit der Bevölkerung sichergestellt ist. Industrielle Werke brauchen da, wo sie sich niederlassen wollen, Wasserstraßen, Schienen, billiges Gelände und ausreichendes Arbeiterangebot. Wenn zudem noch Werke eingerichtet werden, die neu zu schaffenden Fabriken gutes Wasser geben, und die Wasserversorgung auch in den Wohngebieten sicherstellen, muss die Entwicklung günstig beeinflusst werden…" Gutes, preiswertes Wasser für Bevölkerung und Gewerbe war als Motor der Stadtentwicklung erkannt worden.

Für die Gewinnung größerer Mengen an Trinkwasser mussten geeignete, möglichst von menschlichen Ansiedlungen entfernt liegende Gebiete gefunden werden. Hilfestellung gab hier das "Königliche Meliorationsbauamt Düsseldorf", das fachliche Gutachten über mögliche geeignete Brunnenstandorte erstellte. Es kam zu dem Schluss, dass das Gelände hinter den Schleider Tannen auf Monheimer Gebiet als das aussichtsreichste und billigste anzusehen sei. Hier liegt im Untergrund ein in Nord-Südrichtung verlaufender verlassener Rheinarm, in dessen Kiesablagerungen ein reicher Grundwasserschatz lagert. Dieses Grundwasser wird ständig gespeist aus Regenniederschlägen, die auf Langenfelder Gebiet versickern und dann im Untergrund dem Rhein zufließen.

Probebohrungen förderten Grundwasser von ausgezeichneter Qualität zutage. Weiter kam in Betracht: "…dass bei genügendem Quantum auch die beiden Bürgermeistereien Hitdorf und Monheim von hier aus sehr gut versorgt werden können, ein nicht zu unterschätzender Umstand, der bei der Kostenberechnung sehr in Frage kommt." Die zu gewinnende Wassermenge würde auch für eine steigende Bevölkerung ausreichen. Der General-Anzeiger schrieb im Dezember 1908: "… Durch den Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden wird die Wirtschaftlichkeit einer Wasserwerksanlage erheblich gesteigert."

Nachdem dies durch mehrere Gutachter bestätigt wurde, erklärte die Gemeinde Monheim, sich an dem Wasserwerk beteiligen zu wollen, falls das Werk wirklich an dieser für Monheim so günstig gelegenen Stelle erbaut werden sollte. Schließlich wurde das "Verbandswasserwerk" der Gemeinden Richrath, Reusrath, Monheim, Baumberg, Hitdorf und Rheindorf gegründet. In der ersten Sitzung der "Kommission für das Verbandswasserwerk" führte der Vorsitzende, Bürgermeister Metzmacher, folgendes aus: "Der heutige Tag ist für die am Wasserwerk beteiligten Gemeinden von weittragender Bedeutung. Ein großes Unternehmen, das uns alle in den letzten Monaten beschäftigt habe, werde heute zum Leben gebracht. Man dürfe stolz auf die gemeinsame Sache sein. Es sei das größte Werk, zu dem sich Gemeinden unseres Kreises zusammengetan hätten, das sie ganz aus eigener Kraft schaffen wollten. Die Schnelligkeit und fast beispiellose Einigkeit, mit der dem Plan eines gemeinsamen Wasserwerkes zugestimmt wurde, beweise ein mehreres: Erstens, dass in den Rheingemeinden das Bedürfnis nach einer zentralen Wasserversorgung gleich stark empfunden würde, dass man allgemein die Meinung habe, dass ein Wasserwerk umso wirtschaftlicher arbeiten könne, auf eine je größere Basis es gebracht werde. Es zeige aber auch, dass in unseren Gemeinden eine gesunde Kraft nach Vorwärtsschreiten wirksam sei und das unsere Gemeindevertretungen sich den Aufgaben der Zeit gewachsen fühlten."

Nachdem alle rechtlichen und formellen Voraussetzungen geschaffen waren, wurden der Brunnen und die "Pumpstation" am Schleiderweg in Monheim errichtet. Auf dem Wenzelnberg in Landwehr wurde ein Hochbehälter mit einem Wasserinhalt von 1.000 m³ gebaut. In nur knapp sechs Monaten wurden diese technischen Anlagen einschließlich der Hauptrohrleitungen und Hausanschlüsse mit einem Baukapital von 550.000 Mark erstellt. Am 16. November 1909 floss das erste Wasser durch die Leitungen des Verbandswasserwerkes.

Wasserverbrauch und Leitungsnetz wachsen

Der 1909 erbaute Brunnen mit einem Schacht von 16 m Tiefe und einem Durchmesser von 4,50 Metern war sehr leistungsstark, was sich auch für die Zukunft als günstig erwies, da der Wasserverbrauch sich schon nach wenigen Jahren erheblich steigerte. Von 1919 bis 1924 verdreifachte sich der Verbrauch; von 1924 bis 1929 wurde eine weitere Zunahme von 175 Prozent ermittelt. Das Rohrnetz musste ständig erweitert werden, die Zahl der Hausanschlüsse nahm rasant zu und Ende der 20-er Jahre waren rund 25.000 Einwohner angeschlossen. Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag 1928 bei 76 Litern pro Kopf und Tag. Trotz des steigenden Wasserverbrauches reichte die Kapazität des ersten Brunnens bis zum Jahre 1952; dann wurde zusätzlich ein zweiter Brunnen gebaut. Nachdem von Beginn der Förderung an reines Grundwasser ohne jegliche Aufbereitung in das Leitungsnetz gefördert wurde, musste schon in den 20-er Jahren eine erste Aufbereitungsstufe zur Entsäuerung des von Natur aus kohlensäurehaltigen Wassers gebaut werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Leitungsnetz veraltet und desolat. Insgesamt 70 km wurden in den folgenden Jahren ausgewechselt. 1947 wurden 33.000 Bürger über das 129 km lange Rohrnetz mit Trinkwasser versorgt. Damals mahnte die Wasserwerksverwaltung, den Wasserverbrauch einzuschränken. Eine anhaltende Dürre verursachte Wassermangel in Landwehr und Reusrath.

Pumpstation, Reservespeicher und Rohrnetz werden modernisiert

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die technischen Anlagen des Wasserwerkes komplett überplant. Die Hauptversorgungsringleitungen in die Stadtgebiete Langenfelds und Monheims zum Hochbehälter wurden verlegt. Weitere Brunnen wurden gebaut und eine neue Pumpstation einschließlich der Wasseraufbereitungsanlagen wurden 1972 in Betrieb genommen. Das Speichervolumen des Hochbehälters wurde auf 10.000 m³ erweitert.

Da der Jahresverbrauch beider Städte über das am Schleiderweg gewinnbare Wasserrecht hinausging, wird seit 1983 aufbereitetes Grundwasser von den Stadtwerken Solingen aus dem Wasserwerk Karnap in Hilden zusätzlich eingekauft. 1987 wurden in Monheim Aufbereitungsanlagen zur Entfernung von chlorierten Kohlenwasserstoffen und Nitrat in Betrieb genommen. Neben diesen "Reparaturarbeiten" an seiner Rohstoffquelle Grundwasser betreibt das Verbandswasserwerk auch Ursachenforschung, um den Anforderungen der Trinkwasserverordnung gerecht zu werden. Es ist Mitglied der Kooperation Landwirtschaft/Wasserwirtschaft und fördert hier gewässerschonende Maßnahmen.

Wasserfakten

Der höchste Jahreswasserverbrauch wurde 1976 mit 6.26 Mio. m³ erreicht. Die höchste Tagesförderung lag am 28.6.1976 bei 32.800 m³. Durch Einsparungen bei Industrie, Gewerbe und auch im Haushaltsbereich wurde der Verbrauch, trotz wachsender Bevölkerung, unter die 6-Millionen-Grenze gedrückt.

Heute ist das Leitungsnetz 330 km lang und versorgt in Langenfeld und Monheim rund 103.000 Einwohner tagaus, tagein rund um die Uhr mit Trinkwasser. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt zurzeit bei 130 l am Tag.